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Wohngebäude – Die Sache mit den Leitungswasserschäden…

scale-210-210-03_191877567_2Im vergangenen Monat kam es an einem Mehrfamilienhaus in der Coburger Innenstadt zu einem spektakulären Versicherungsfall: Ein Wasserzulaufschlauch löste sich kurz nach dem Einschalten von einer Waschmaschine und tausende Liter suchten sich über Stunden lautlos und ungehindert den Weg in jeden Winkel des Hauses. Lehmdecken, Böden und die Wände des knapp 30 Jahre alten Gebäudes saugten sich wie ein Schwamm so voll, dass das Gebäude drohte einzustürzen und alle Bewohner evakuiert werden mussten. Die Schadensumme erreichte einen hohen sechsstelligen Bereich. Der Schadenverursacher war übrigens zur Arbeit gegangen und wurde erst sehr viel später mit dem Ergebnis konfrontiert.

Ein Szenario, von dem viele Wohngebäudeversicherer ein Lied singen könnten. Wie eine aktuelle Statistik des GDV zeigt, häuften sich in den letzten Jahren im Bereich der Wohngebäudeversicherung insbesondere die Schäden im Bereich Leitungswasser immens. Hierunter fallen auch Kosten für Trockenlegungen, Austausch von Fliesen und Parkettböden sowie die Unterbringungskosten des Versicherungsnehmers in ein Hotel bei (temporärer) Unbewohnbarkeit der Wohnräume.

Alleine im Jahr 2014 sprechen wir von 1,1 Millionen versicherten Schäden. Tendenz steigend. Das hat natürlich Gründe: Das Problem liegt vor allem im immer älter werdenden Bestand der versicherten Gebäude und der rückläufigen Zahl der Neubauten. Die Ursachen sind neben den geringeren Planungs- und Ausführungsfehlern sowie den falschen Betriebsbedingungen (z. B. unzureichende Beheizung von Gebäuden während der Frostperioden) im menschlichen Bereich, vor allem die Alterung der Rohrsysteme und Installationen.
Hier gilt: Lag einmal ein Schaden vor, kann man davon ausgehen, dass der nächste nicht lange auf sich warten lässt. Als Beispiel wäre hier der klassische Rohrbruch zu nennen. Er liegt vor, wenn ein Rohr bricht oder durch Korrosion Risse oder Löcher im Rohr entstehen, was verstärkt bei alten Bleileitungen, die durch Lötstellen bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sind, auftritt. Doch auch abstrakte Schäden, bei denen man zuerst vielleicht nicht an Leitungswasser denkt, sind bei den meisten Gesellschaften abgedeckt, wie z. B. Schäden durch geplatzte Aquarien oder Wasserbetten.

Ein Streitthema, welches sogar vor Gericht diskutiert wurde und welches an dieser Stelle unbedingt erwähnenswert ist, ist die Schadenursache „undichte Fugen“. Einige Versicherungsgesellschaften sehen das Problem nicht in der Dusch- oder Wannenvorrichtung, aus denen das Wasser ja letztendlich bestimmungsgemäß dringt, sondern im Problem des Abflusses, was bedeutete, dass der Schaden nicht übernommen werden würde. Hier handelt es sich tatsächlich um Auslegungssachen der jeweiligen Gesellschaften.

Leider haben es die meisten Gesellschaften in der Vergangenheit versäumt, ihre Beiträge anzupassen, was die Beitragsexplosion der Wohngebäudeversicherung (resp. Leitungswasserschutz) für die immer älter werdenden Gebäude begründet.

Aufgrund dieser Unwirtschaftlichkeit haben sich viele Versicherer von der Sparte Wohngebäudeversicherung schlichtweg verabschiedet oder kündigen zu tausenden den Kunden die Wohngebäudeversicherungsverträge.

Sie haben Fragen zu diesem Thema oder Probleme mit Ihrer Wohngebäudeversicherung?
Einfach anrufen oder eine e-mail schreiben.

Ihr
Wolfgang Ruch

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