JVG Makler GmbH

Die Börsen im Blick 3. Quartal 2016

Nach den durchaus ereignisreichen ersten beiden Quartalen ging es an den Kapitalmärkten im dritten Quartal vergleichsweise ruhig zu. Die Zentralbanken der Welt trugen dazu wesentlich bei. Aus Sicht eines deutschen Anlegers zeigte sich die Wirkung ihrer Politik besonders darin, dass bei einer Anlage in Bundesanleihen keinerlei positive Renditeperspektive mehr zu entdecken ist. Anleihen Deutschlands mit einer zehnjährigen Laufzeit weisen eine leicht um den Nullpunkt herum schwankende Rendite auf. Bei zweijährigen Bundesanleihen mit einer negativen Rendite bei Markteinführung (Emissionsrendite) überstieg Anfang September die Nachfrage das Angebot deutlich.

Doch die Politik der Notenbanken setzt aktuell auch Meilensteine in der Geschichte der Unternehmensanleihen. Erstmals in der Geschichte Deutschlands wurde eine Firmenanleihe frisch an den Markt gebracht, die bei einer zweijährigen Laufzeit eine negative Rendite aufwies: der deutsche Konsumgüterhersteller Henkel lieh sich 500 Millionen Euro. Die Rendite für Kapitalanleger bei dieser Anleihe betrug zum Zeitpunkt der Markteinführung minus 0,05%. Fast zeitgleich gab die Europäische Zentralbank bekannt, dass das Volumen der von ihr angekauften Staats- und Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und Kreditverbriefungen die Summe von 1 Billionen Euro überstiegen hat. Darunter befinden sich rund 250 Milliarden Euro deutsche Staatsanleihen, knapp 200 Milliarden aus Frankreich und gut 150 Milliarden aus Italien. Die EZB-Politik befindet sich damit grundsätzlich in Übereinstimmung mit den Aktivitäten der Zentralbanken in den USA und Japan sowie Großbritanniens. Mit ihrer Politik verzerren die Notenbanken bewusst die üblichen preisbildenden Einflussfaktoren des Kapitalmarktes. Sukzessive übernehmen sie damit immer mehr die Verantwortung für die Finanzierung von Staat und Unternehmen. Die Banken bekommen die Auswirkungen der Notenbankpolitik zu spüren, denn ihnen brechen u.a. Teile des Kreditgeschäfts weg, was es ihnen erschwert, eigenständig die milliardenschweren Lasten aus schlechten Krediten der letzten Krise abzuarbeiten. Die EZB kritisiert vor diesem Hintergrund bemerkenswert offen halbgare und halbherzige Strukturreformen in einigen Ländern des Euro-Raums. Die Europäische Kommission toleriert zudem aktuell die offensichtliche Missachtung von Fiskalregeln etwa in Spanien und Portugal. Die EZB sieht ihre verstärkten Aktivitäten eigentlich als vorübergehend an und hofft, dass „andere Entscheidungsträger“ ihrer Verantwortung gerecht werden. Sollten hier nicht die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, sind weitere Lockerungsschritte denkbar.

Die aggressivste Lockerungspolitik verfolgt im Moment die japanische Notenbank, die im Juli beschlossen hat, die Käufe von börsengehandelten Aktienfonds auf japanische Aktienindices auf ein Volumen von umgerechnet 53 Milliarden Euro zu verdoppeln. Sie kann damit als Großanleger in japanischen Aktien bezeichnet werden. Der bedeutendste Großanleger in japanischen Staatsanleihen ist sie schon. Ziel der Maßnahmen sei es, die Zuversicht von Unternehmen und Privatleuten zu steigern. Dies soll dabei helfen, die hartnäckige Deflation zu überwinden. Bei den Staatsanleihen möchte sie die Renditen über alle Laufzeiten hinweg kontrollieren und die der 10-Jährigen so lange auf 0% fixieren, bis dass die heimische Inflationsrate bei 2% liegt. Der japanische Aktienindex Nikkei hatte zum Jahresultimo 2015 noch bei 20.000 notiert. Er war im Zuge der Anfang 2016 global rückläufigen Aktienkurse auf etwas über 15.000 Punkte gesunken und konnte sich zuletzt auf 17.000 Punkte stabilisieren.

In den USA hält die dortige Zentralbank FED die Ankündigung einer Leitzins-Erhöhung weiter aufrecht. Sie hatte ihre Zinssenkungspolitik zu Beginn der Krise in 2007 am konsequentesten umgesetzt. Das hat dazu beigetragen, dass sich die US-Wirtschaft in den letzten Jahren zunehmend stabilisiert hat. Anfang 2015 leitete die FED die Zinswende mit einer kleinen Zinserhöhung ein. Ein weiterer gleichgerichteter Schritt wurde auch im dritten Quartal 2016 angekündigt. Die FED fand jedoch immer wieder Begründungen dafür, den nächsten Erhöhungs-Schritt einerseits nicht zu vollziehen, andererseits aber die verbale Vorbereitung dazu ständig zu erneuern. Nach den letzten Verlautbarungen der FED am 21.9.2016 gehen viele Marktbeobachter von einer leichten Zinserhöhung im Dezember aus. Vor dem Hintergrund der hohen globalen Staatsverschuldung ist nicht zu erwarten, dass die Zinserhöhungen in den nächsten Jahren auch nur ansatzweise zu dem Zinsniveau führen, das vor 10 Jahren zu verzeichnen war. Ob bei einem möglichen Aufkeimen der Inflation und darauffolgenden Zinserhöhungen der Notenbanken auf Sicht der nächsten Jahre nennenswerte positive Realrenditen zu erzielen sind ist somit fraglich. Das gilt auch bei der Betrachtung der Situation in Deutschland.

Die englische Zentralbank hat vor dem Hintergrund der Brexit-Abstimmung ihre Aktivitäten spontan ausgeweitet, um Turbulenzen vorzubeugen. Kurzfristige Folgen der Brexit-Abstimmung sind beim Wechselkurs zu sehen, der die britische Exportwirtschaft unterstützen sollte. Die Verhandlungen über die Details des Brexit können sich lange hinziehen, mitunter ist von einer mehrjährigen Dauer die Rede. Mit schockartigen Auswirkungen auf die Kapitalmärkte ist daher beim Thema Brexit aus heutiger Sicht nicht zu rechnen.

Rohstoffe
Die Entwicklung des Rohölpreises hat in den letzten drei Jahren mit dazu beigetragen, dass die Zielgröße der Notenbanken für die Inflationsrate nicht erreicht wurde. Der Ölpreis befindet sich aktuell in einem Seitwärtstrend. Seit Mitte 2014 hat er sich mehr als halbiert. Ursächlich für die Entwicklung des Ölpreises ist einerseits ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in Asien. Wie stark das Wachstum in China nachlässt, kann nur vermutet werden. Die kommunistische Regierung in China verfolgt bei der Kommunikation von Wachstumsdaten eigene Interessen. Andererseits haben die traditionellen Ölförderländer wie Saudi-Arabien und der Irak mit einer verstärkten Förderung auf neue Produktionsmethoden wie das steigende Angebot aus der Förderung von Schieferöl in den USA reagiert.

Der Anstieg des Goldpreises hat eine Pause eingelegt. Hatte er zum Ende letzten Jahres noch bei 1060$ pro Unze notiert so war er im ersten Halbjahr bis auf 1.320$ pro Unze gestiegen. Anfang des dritten Quartals zog er bis auf 1367$ an. Mehrere Faktoren waren dafür wichtig. Mit Ausnahme der Notenbank Venezuelas, die auch im dritten Quartal 2016 tonnenweise Gold verkaufte, um einen Staatsbankrott abzuwenden, traten Notenbanken auf der ganzen Welt als Käufer auf. Ihre Bestände haben daher das höchste Volumen der letzten 15 Jahre erreicht. Viele Mischfonds, deren Anlagerichtlinien den Bestand einer Gold-Position vorsehen, haben Bestände auf- oder ausgebaut. Im Jahresverlauf drosselten die Notenbanken ihre Nachfrage, was z.T. auf geringere Exporterlöse verschiedener Ländern und damit auch abnehmende Devisenreserven zurückzuführen ist. Die rückläufige Nachfrage der Notenbanken konnte aber nicht vollständig kompensiert werden. Der Ausbau der Goldposition bei Fondsgesellschaften scheint ebenfalls zu pausieren, weshalb der Goldpreis zuletzt seinen Anstieg nicht fortsetzte. Er pendelte daher im dritten Quartal zwischen 1.311 und 1.367$ pro Unze.

Aktien und Immobilien
Vor dem Hintergrund des nachhaltigen Wegbrechens einst renditeträchtiger Anlagealternativen bei den Festverzinslichen gewinnen Anlagealternativen mit einer positiven Rendite an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Aktien und Immobilien. Beide Anlagesegmente konnten positive Wertzuwächse im dritten Quartal für sich verbuchen. Der seit 1969 täglich berechnete Weltaktienindex der Firma Morgan Stanley Capital International (MSCI) wies per 30.06.2016 einen Wert von 1.653 auf. Er stieg bis zum 30.09.2016 auf über 1.700 Punkte an. Dabei spielt der positive Wertzuwachs der US-Börsen eine wichtige Rolle. Die Börsen im Euro-Raum konsolidierten hingegen. Die japanische Börse konnte im Wert zulegen. Bei Aktien aus den Schwellenländern war die Entwicklung unterschiedlich.

Bei Immobilien gibt es viele sehr verschiedene Möglichkeiten in die verschiedenen Immobilienarten (wie etwa Wohn- und Gewerbeimmobilien der unterschiedlichsten Art) zu investieren. Leider gibt es keine der Aktienanlage vergleichbare Indexwelt. Einschlägige Veröffentlichungen, etwa von Indikatoren von Wirtschaftsforschungsinstituten, weisen eine positive Entwicklung für die Immobilienmärkte aus.

Die Entwicklungen der Anlagealternativen zeigten im dritten Quartal 2016 also einen überwiegend positiven Verlauf.

Soweit die Vergangenheitsbetrachtung des letzten Quartals.
Was das für jedes einzelne Depot und für die Zukunft bedeutet, muss individuell mit dem einzelnen Kunden besprochen werden und kann kein Thema für einen Blogbeitrag sein.
Grundsätzlich gilt, dass Anlagen im Kapitalmarkt mind. eine geplante Anagedauert von 10 Jahren haben sollten, um eine relativ sichere und ansehnliche Rendite erzielen zu können.

Ihr
Wolfgang Ruch

(mit freundlicher Genehmigung der BCA AG)

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